Der Soundtrack von „La La Land“ ist die bisher meistverkaufte Schallplatte des Jahres 2017

La La Land nahm den Oscar für den besten Film — am Ende —zwar doch nicht mit nach Hause, aber das Filmmusical schlägt noch immer Wellen in der Branche. Das in den USA ansässige Unternehmen Nielsen Music veröffentlichte Zahlen, denen zufolge der Soundtrack zum Film derzeit die meistverkaufte Schallplatte des Jahres 2017 in den Vereinigten Staaten ist.
 
Das umjubelte Musical, in dem Emma Stone und Ryan Gosling Künstler spielen, die sich im modernen Los Angeles durchs Leben schlagen, zeichnet sich durch Filmmusik aus, die größtenteils aus der Feder des Komponisten Justin Hurwitz stammt. Hurwitz, der dieses Jahr zwei Oscars sowohl für die beste Filmmusik als auch den besten Song „City of Stars“ gewann, komponierte auch die Soundtracks zu den vorherigen Filmen des La La Land-Regisseurs Damien Chazelle, nämlich Guy and Madeline on a Park Bench und Whiplash. Hurwitz schrieb den Soundtrack zu La La Land, während Chazelle das Drehbuch verfasste; ein Prozess, der sich insgesamt über ungefähr drei Jahre erstreckte. Vor Kurzem erzählte Hurwitz dem Magazin Billboard, dass es ihm wichtig war, die klassischen Filmmusicals, denen La La Land Tribut zollte, nicht wortwörtlich zu imitieren.
 
„Wir wollten sie nicht zu sehr einfließen lassen, sodass die Musik von La La Land eigentlich wie Singin‘ in the Rain oder Die Regenschirme von Cherbourg klingt“, erzählte er dem Magazin. „Ich habe versucht, authentisch für das zu komponieren, was dieses Projekt war, und finde, der Film hatte stets sein eigenes Flair und seinen eigenen Stil sowie seine eigene Fülle und sein eigenes Kolorit. Ich wollte etwas machen, das sich für diesen Film sichtbar einzigartig anfühlte.“
 
R&B-Sänger John Legend, der ebenfalls eine Rolle in La La Land spielte, trug einen Song zum Soundtrack bei, während Stone und Gosling jeweils gesanglich an der 15-Song-Tracklist mitwirkten. Der Soundtrack verkaufte sich in diesem Jahr bisher 25.000 Mal und offenbart ein weiteres starkes Quartal für Schallplattenverkäufe — ein Format so wunderbar altmodisch und aufs Neue relevant wie das Filmmusical-Format selbst.
 
Die Top Ten der bisher meistverkauften Schallplattenalben des Jahres 2017 in den USA:
 
1. La La Land Soundtrack (25.000 Verkäufe)

2. Bob Marley and The Wailers – „Legend“ (16.000)

3. Amy Winehouse – „Back to Black“ (16.000)

4. Ed Sheeran – „÷“ (15.000)

5. Run the Jewels – „Run the Jewels 3“ (14.000)

6. The Killers – „Hot Fuss“ (14.000)

7. The Beatles – „Abbey Road“ (13.000)

8. Ryan Adams – „Prisoner“ (13.000)

9. Twenty One Pilots – „Blurryface“ (13.000)

10. The xx – „I See You“ (13.000)
 

Das „Come Together“ von Gary Clark Jr. und Junkie XL bei Justice League

Abbey Road könnte nicht weiter von Gotham City entfernt sein, aber in dem gerade veröffentlichten Trailer von Justice League treffen diese beiden berühmten, fiktiven Orte aufeinander. Die erste detailliertere Vorschau auf den mit Spannung erwarteten Action-Hero-Film präsentiert ein mächtiges Cover des Beatles-Songs „Come Together“, das der energiegewaltige Bluesgitarrist Gary Clark Jr. gespielt und der auch als Junkie XL bekannte Filmkomponist Tom Holkenborg produziert hat.
 
Für Holkenborg, der als Produzent von Industrial-Noise-Rock anfing, bevor er sich unter seinem Spitznamen Junkie XL in der Welt der elektronischen Musik einen Namen machte, stellt der Song eine Rückkehr zu seinen rockigen Wurzeln dar. Im letzten Jahrzehnt hat er sich als einer der gefragtesten Filmmusikkomponisten in Hollywood etabliert und wirkte unter anderen an Deadpool und Mad Max: Fury Road mit. Junkie XL steht auch hinter der Filmmusik von Justice League, der im November mit einem auf Rock ausgerichteten Soundtrack in die Kinos kommt, auf dem auch Musik von den White Stripes zu hören ist.
 
Der Film erzählt die Geschichte, wie sich die Comic-Superhelden Superman, The Flash, Wonder Women, Aquaman und viele andere verbünden, und ist mit einem riesigen Staraufgebot besetzt, unter anderem mit Amy Adams, Amber Heard, Willem Dafoe, Diane Lane, Jeremy Irons, J. K. Simmons, Jesse Eisenberg, Billy Crudup und Ben Affleck als Batman.
 

Alan Menken kehrt mit dem Reboot von Disneys Die Schöne und das Biest auf die Kinoleinwand zurück

Disneys Die Schöne und das Biest präsentiert sich 26 Jahre nach der Originalversion nun als Realfilm und mit einem Reboot des populären Soundtracks von damals, der auf YouTube und Spotify nachgehört werden kann. Mit dabei sind auch neue Schauspieler, zum Beispiel Emma Watson (Belle), Kevin Kline (Maurice) und Emma Thompson (Mrs. Potts). Sie werden die klassischen Titel, darunter „Belles Song“, „Gaston“ und „Sei hier Gast“, neu interpretieren. Für den Titelsong – sozusagen das Zugpferd des Films – wurden die Pop-Superstars John Legend und Arianna Grande engagiert. Die beiden übernehmen den Staffelstab vom Original-Duo Celine Dion und Peabo Bryan. Dion wird übrigens auch im Reboot zu hören sein und dort einen neuen Song – „Ein Augenblick ist manchmal zeitlos“ – interpretieren.
 
Sowohl der originale Soundtrack von Die Schöne und das Biest als auch dessen Neuauflage stammen aus der Feder des brillanten Filmkomponisten Alan Menken. Er zeichnet auch für die Soundtracks anderer Disney-Klassiker, wie zum Beispiel Aladdin und Pocahontas, verantwortlich. Die Filmmusik für die erste Version von Die Schöne und das Biest schuf er gemeinsam mit dem Texter Howard Ashman. 1992 gewann das Duo für Die Schöne und das Biest den Oscar für den besten Originalsong. Ashman war jedoch traurigerweise zum Zeitpunkt der Preisverleihung bereits verstorben. Der neue Soundtrack enthält auch Titel, die einst von dem legendären Team kreiert worden waren, es jedoch nicht in den Originalfilm schafften. Die Schöne und das Biest war übrigens der erste Zeichentrickfilm überhaupt, der eine Oscar-Nominierung als bester Film erhielt.
 
In einem Interview, das Menken kürzlich der LA Times gab – gemeinsam mit den Filmschauspielern Luke Evans und Josh Gad (der eine spielt den fiesen Schönling Gaston, der andere seinen tölpelhaften Diener LeFou) – ging es auch um die Neuauflage des berühmten Filmklassikers und seines ebenso beliebten Soundtracks. Einen Teil dieses Interviews können Sie unten nachlesen.
 
LAT: Die Figuren, zu denen Sie die Musik komponiert hatten, sahen Sie nun in Fleisch und Blut auf dem Bildschirm vor sich und sie sangen Ihre Songs. Wie hat sich das angefühlt?
Menken: Toll war das. Fantastisch. Es war ein langer Prozess und wir sind dabei zu einer Art Schöne-und-das-Biest-Familie geworden. Das ist wunderbar, das ist … ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist.
 
LAT: Was bedeutet es, ein tolles Lied für einen fiesen Typen zu komponieren?
Menken: Hier geht es darum, der Figur und dem Film treu zu bleiben. Ich denke dabei nicht: „Song für einen Bösewicht“, sondern: „Dies ist ein Lied für diese spezielle Figur und diese Figur hat ihre eigenen Gefühle und ihre eigenen Absichten“. Man muss sich vorher auch im Klaren darüber sein, ob es ein Song wie „Das Feuer der Hölle“ [aus „Der Glöckner von Notre Dame“] werden soll, der überhaupt nichts Komisches an sich hat, oder wie „Gaston“ oder „Der Zahnarzt“ [aus dem „Kleinen Horror-Laden“], die wiederum urkomisch wirken sollten. Schurken kommen in vielerlei Größe und Gestalt daher und sie sind immer ein dankbares Thema für einen Komponisten.
 
LAT: Sie haben vielen alten Songtexten zu neuem Leben verholfen, die es nicht in den Original-Film geschafft hatten. Was war das für ein Gefühl, diese Texte nun wieder zu hören?
Menken: Toll. Das war toll. Und als dann am Ende des Films die seit Langem vergessenen Strophen aus Die Schöne und das Biest, die noch von Howard stammen, zu hören waren – oh Mann!
 
Ich würde sagen, [Regisseur] Bill Condon hat das wirklich schlau eingefädelt. Denn es war tatsächlich Bill, der sich durchgesetzt und gesagt hat: „Ich will das machen.“ Das war gigantisch. Bill war neugierig und willens genug, die alten Sachen hervorzuholen. Da gab es eine richtige kleine Schatzkiste voll früherer Ashman-Texte. Grandios!
 
Lesen Sie hier das vollständige interview. Die Schöne und das Biest kommt am 16. März in Deutschland und am 17. März in den USA in die Kinos.
 

Oscars 2017 – La La Land räumt in den Musik-Kategorien ab

Im sogenannten schockierendsten Moment der Geschichte der Oscars erhielt zunächst das viel beachtete Musical La La Land den Preis in der Kategorie „Bester Film“. Die Überraschung kam zwei Minuten später, als festgestellt wurde, dass der Oscar aus Versehen an den falschen Film gegangen war. Der eigentliche Gewinner heißt Moonlight und erzählt die packende Geschichte eines schwulen Afroamerikaners, der in Miami in ärmlichen Verhältnissen aufwächst.
 
Es herrschte Verwirrung gegen Ende der 89. Oscarverleihung, als die Schauspieler und Crew-Mitglieder des Films La La Land – von denen einige bereits ihre Dankesreden gehalten hatten – ihre Preise an die ebenso geschockte Moonlight-Crew weitergaben. Später entdeckte man, dass Warren Beatty und Faye Dunaway, die den Preis für den besten Film überreichten, den falschen Umschlag erhalten hatten – nämlich den für die Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“. So verkündete Warren Beatty den falschen Gewinner, bevor Organisatoren der Show mit dem richtigen Umschlag auf die Bühne eilten.
 
https://www.youtube.com/watch?v=8KeOxeuiZjs
 
Trotz des Fauxpas zählte La La Land zu den großen Gewinnern des Abends. Der Film erhielt insgesamt sechs Oscars, unter anderem für das beste Produktionsdesign, die beste Kamera, die beste Hauptdarstellerin (Emma Stone) und die beste Regie. Regisseur Damien Chazelle ist mit 32 Jahren der bisher jüngste Preisträger in dieser Kategorie. Erwartungsgemäß gewann der wunderbar verzaubernde Film über die Suche nach dem Erfolg in Los Angeles beide Musikpreise: Komponist Justin Hurwitz erhielt den Oscar für die beste Filmmusik, und „City of Stars“ – die klangliche Hommage des Films an Künstler und Träumer – wurde zum besten Filmsong gekürt.
 
https://www.youtube.com/watch?v=GTWqwSNQCcg
 
Die Oscars sind die renommiertesten Filmpreise in den USA. Die Preisverleihung wurde live aus dem Dolby Theatre in Hollywood übertragen und von Comedian Jimmy Kimmel moderiert. Auf dem Programm standen Auftritte von Künstlern wie Justin Timberlake und John Legend. Die vollständige Liste der Gewinner finden Sie unten.
 
Bester Film:
„Moonlight“ (GEWINNER)
„Arrival“
„Fences“
„Hacksaw Ridge“
„Hell or High Water“
„Hidden Figures“
„La La Land“
„Lion“
„Manchester by the Sea“
 
Hauptdarsteller:
Casey Affleck, „Manchester by the Sea“ (GEWINNER)
Andrew Garfield, „Hacksaw Ridge“
Ryan Gosling, „La La Land“
Viggo Mortensen, „Captain Fantastic“
Denzel Washington, „Fences“
 
Hauptdarstellerin:
Emma Stone, „La La Land“ (GEWINNERIN)
Isabelle Huppert, „Elle“
Ruth Negga, „Loving“
Natalie Portman, „Jackie“
Meryl Streep, „Florence Foster Jenkins“
 
Nebendarsteller:
Mahershala Ali, „Moonlight“ (GEWINNER)
Jeff Bridges, „Hell or High Water“
Lucas Hedges, „Manchester by the Sea“
Dev Patel, „Lion“
Michael Shannon, „Nocturnal Animals“
 
Nebendarstellerin:
Viola Davis, „Fences“ (GEWINNERIN)
Naomie Harris, „Moonlight“
Nicole Kidman, „Lion“
Octavia Spencer, „Hidden Figures“
Michelle Williams, „Manchester by the Sea“
 
Regie:
„La La Land“, Damien Chazelle (GEWINNER)
„Hacksaw Ridge“, Mel Gibson
„Moonlight“, Barry Jenkins
„Manchester by the Sea“, Kenneth Lonergan
„Arrival“, Denis Villeneuve
 
Animationsfilm:
„Zootopia“, Byron Howard, Rich Moore und Clark Spencer (GEWINNER)
„Kubo and the Two Strings“, Travis Knight und Arianne Sutner
„Moana“, John Musker, Ron Clements und Osnat Shurer
„My Life as a Zucchini“, Claude Barras und Max Karli
„The Red Turtle“, Michael Dudok de Wit und Toshio Suzuki
 
Animierter Kurzfilm:
„Piper“, Alan Barillaro und Marc Sondheimer (GEWINNER)
„Blind Vaysha“, Theodore Ushev
„Borrowed Time“, Andrew Coats and Lou Hamou-Lhadj
„Pear Cider and Cigarettes“, Robert Valley and Cara Speller
„Pearl“, Patrick Osborne
 
Adaptiertes Drehbuch:
„Moonlight“, Barry Jenkins; Story von Tarell Alvin McCraney (GEWINNER)
„Arrival“, Eric Heisserer
„Fences“, August Wilson
„Hidden Figures“, Allison Schroeder und Theodore Melfi
„Lion“, Luke Davies
 
Originaldrehbuch:
„Manchester by the Sea“, Kenneth Lonergan (GEWINNER)
„20th Century Women“, Mike Mills
„Hell or High Water“, Taylor Sheridan
„La La Land“, Damien Chazelle
„The Lobster“, Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou
 
Kamera:
„La La Land“, Linus Sandgren (GEWINNER)
„Arrival“, Bradford Young
„Lion“, Greig Fraser
„Moonlight“, James Laxton
Tonschnitt:
„Arrival“, Sylvain Bellemare (GEWINNER)
„Deep Water Horizon“, Wylie Stateman und Renee Tondelli
„Hacksaw Ridge“, Robert Mackenzie und Andy Wright
„La La Land“, Ai-Ling Lee und Mildred Iatrou Morgan
„Sully“, Alan Robert Murray und Bub Asman
 
Tonmischung:
„Hacksaw Ridge“, Kevin O’Connell, Andy Wright, Robert Mackenzie und Peter Grace (GEWINNER)
„Arrival“, Bernard Gariepy Strobl und Claude La Haye
„La La Land“, Andy Nelson, Ai-Ling Lee und Steve A. Morrow
„Rogue One: A Star Wars Story“, David Parker, Christopher Scarabosio und Stuart Wilson
„13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“, Greg P. Russell, Gary Summers, Jeffrey J. Haboush und Mac Ruth
 
Produktionsdesign:
„La La Land“, David Wasco und Sandy Reynolds-Wasco (GEWINNER)
„Arrival“, Patrice Vermette und Paul Hotte
„Fantastic Beasts and Where to Find Them“, Stuart Craig und Anna Pinnock
„Hail, Caesar!“, Jess Gonchor und Nancy Haigh
„Passengers“, Guy Hendrix Dyas und Gene Serdena
 
Filmmusik:
„La La Land“, Justin Hurwitz (GEWINNER)
„Jackie“, Mica Levi
„Lion“, Dustin O’Halloran und Hauschka
„Moonlight“, Nicholas Britell
„Passengers“, Thomas Newman
 
Filmsong:
„City of Stars“, „La La Land“ — Musik von Justin Hurwitz; Text von Benj Pasek und Justin Paul (GEWINNER)
„Audition (The Fools Who Dream)“, „La La Land“ — Musik von Justin Hurwitz; Text von Benj Pasek und Justin Paul
„Can’t Stop the Feeling“, „Trolls“ — Musik und Text von Justin Timberlake, Max Martin und Karl Johan Schuster
„The Empty Chair“, „Jim: The James Foley Story“ — Musik und Text von J. Ralph und Sting
„How Far I’ll Go“, „Moana“ — Musik und Text von Lin-Manuel Miranda
 
Make-up/Frisuren:
„Suicide Squad“, Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson (GEWINNER)
„A Man Called Ove“, Eva von Bahr und Love Larson
„Star Trek Beyond“, Joel Harlow und Richard Alonzo
 
Kostümdesign:
„Fantastic Beasts and Where to Find Them“, Colleen Atwood (GEWINNER)
„Allied“, Joanna Johnston
„Florence Foster Jenkins“, Consolata Boyle
„Jackie“, Madeline Fontaine
„La La Land“, Mary Zophres
 
Visuelle Effekte:
„The Jungle Book“, Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon (GEWINNER)
„Deepwater Horizon“, Craig Hammack, Jason Snell, Jason Billington und Burt Dalton
„Doctor Strange“, Stephane Ceretti, Richard Bluff, Vincent Cirelli und Paul Corbould
„Kubo and the Two Strings“, Steve Emerson, Oliver Jones, Brian McLean und Brad Schiff
„Rogue One: A Star Wars Story“, John Knoll, Mohen Leo, Hal Hickel und Neil Corbould
 

Warum sind so viele Filmmusikkomponisten in den Lineups der Festivals zu finden?

Musikfestivals sowohl in den gesamten Vereinigten Staaten als auch in anderen Ländern versuchen, etwas Neues zu präsentieren, und erweitern daher das traditionelle Spektrum ihrer Lineups aus Pop, Rock, Rap und Dance Music um Filmkomponisten — von Hans Zimmer beim kalifornischen Festival Coachella über John Carpenter beim Primavera Sound Festival in Barcelona bis hin zu Philip Glass beim texanischen Event Day for Night.
 
Aber warum liegt es gerade jetzt im Trend, und wodurch wird er vorangetrieben?
 
Diese Frage analysierte ich kürzlich in einem Artikel für Noisey mithilfe der Einblicke von Festival-Veranstaltern und Carpenter selbst. Der 68-jährige Musiker, der für Filmsoundtracks wie Halloween und Flucht aus L. A. verantwortlich ist, wies darauf hin, wie begeistert er und andere Filmkomponisten sind, dass ihnen endlich die gleiche Anerkennung zuteilwird, die Rockbands seit Langem genießen.

Der Faktor bei jedem Festival-Lineup, der die Leute vom Hocker reißt, fällt normalerweise in eine dieser drei Kategorien: Wiedervereinte Bands, die eine Obsession wie der berühmte weiße Wal auslösen, mit Musikern wie Outkast, LCD Soundsystem und Guns N’ Roses, die sich in den letzten Jahren für Geld und Ruhm wieder zusammengetan haben; Albumklassiker, die Fans eine seltene Gelegenheit bieten, ihre alten Lieblingssongs live zu hören (zum Beispiel Television mit Marquee Moon beim Primavera Sound Festival, Saves The Day mit Stay What You Are beim FYF Fest und Roger Waters, der vier Jahre hindurch The Wall gespielt hat, wo immer es ihm möglich war); und dann gibt es noch die legendären Altmusiker, die niemals aufgehört haben — Musiker wie Elton John, Lionel Richie, Billie Joel und das gesamte Lineup von Desert Trip.
 
Aber im Gegensatz zu dem, was Mötley Crüe uns weismachen wollen, kann man die Vergangenheit nicht unendlich viele Male abernten. Die Festival-Organisatoren werden immer mehr vor die Herausforderung gestellt, in einem gesättigten Markt mit etwas Neuem aufzuwarten, und Filmkomponisten zu buchen, kristallisiert sich dabei als neuer Weg heraus, Fans eine exklusive Festival-Erfahrung zu bieten. Das Internet verlor dezent den Verstand, als Hans Zimmers Name im Lineup von Coachella 2017 in aller Unwahrscheinlichkeit zwischen Musikern wie DJ Khaled und Future Islands auftauchte.
 
Neben dem 59-jährigen deutschen Komponisten, der mehr als 120 Filme — darunter Gladiator, The Dark Knight, Inception, Pirates of the Caribbean, True Romance, Cool Runnings — Dabei sein ist alles und Der König der Löwen — mit Musik unterlegt hat, haben auch Kultkomponisten wie John Carpenter, Giorgio Moroder und Philip Glass in jüngster Zeit ihre Runden auf großen amerikanischen und europäischen Pop-Festivals wie Pitchfork, Primavera Sound, Wireless und Day for Night gedreht.
 
Aber diese Buchungen sind nicht nur ein Heischen nach Neuheiten. Stattdessen erweitern Festivals mit diesen Künstlern ihr musikalisches Angebot, um sich den immer anspruchsvolleren Geschmäckern und breiter gefächerten kulturellen Trends anzupassen.
 
„Da Festivals immer formelhafter werden, und man so viele der gleichen Art sieht, die dasselbe Lineup nur in einer anderen Wiederholung aufziehen, denke ich, dass [Buchungen wie Zimmer] weniger eine Innovation von unserer Seite oder von Coachella darstellen, sondern vielmehr eine Korrektur“, sagt Omar Afra, der Produzent des Festivals Day for Night in Houston, bei dem Glass und Carpenter auftraten. „Zimmer, Glass und andere Musiker, die die Grenzen neu definieren, verdienen es genau wie jeder andere, auf diesen Musikfestivals zu spielen. Das ist eben Teil der DNS von der Musik, die wir tagtäglich hören.“
 
Viele dieser Soundtracks haben sich in das kollektive Bewusstsein der Festival-Gänger eingebrannt und das emotionale Erbgut eines jeden durchtränkt, der sich schon mal bei Halloween gegruselt hat oder hemmungslos schluchzte, als Mufasa von der Horde wilder Bestien zu Tode getrampelt wurde. Die kompositorischen Werke tröpfelten auch nach und nach über nichtklassische Musiker durch, die von ihnen inspiriert wurden. Möglicherweise hätte es M83 ohne Vangelis niemals gegeben, oder Muse nicht ohne Morricone. M83 und Musiker wie Junkie XL sind sogar selbst zur Filmmusik übergewechselt und haben an den Soundtracks von Filmen wie beispielsweise Oblivion, Deadpool, Mad Max: Fury Road gearbeitet. Zudem verhelfen Filme kompositorischen Werken zu einer langen Haltbarkeitsdauer und besitzen dadurch einer Anziehungskraft für mehrere Generationen — ein weiteres Verkaufsargument für Festival-Organisatoren, die darauf aus sind, die akustische Bandbreite von so vielen Besuchern wie möglich zu befriedigen.
 
„Ich habe einen 19-jährigen Sohn“, erzählt Afra, „und natürlich kennt er John Carpenter, weil John Carpenters Filme zum Inventar der amerikanischen Kultur gehören, vielleicht sogar mehr als die Musiker, die diese Generation hat Kommen und Gehen sehen.“
 
Als Carpenter letzten Monat beim Day For Night-Festival in Houston auftrat, brachte er eine fünfköpfige Band bestehend aus seinem Sohn, seinem Patensohn und der Rhythmusabteilung von Tenacious D sowie eine visuelle Show mit Clips aus Halloween, Flucht aus L. A. und anderen Filmen mit, die er während seiner über 40-jährigen Karriere mit Musik unterlegt hat. Laut Afra konnte sich Carpenters Lichtshow mit den visuellen Effekten von vielen der Elektronik-Produzenten auf dem Festival messen. Dadurch fand Carpenter sogar einen noch größeren Anklang bei den jungen Zuschauern, die in Erwartung eines anspruchsvollen visuellen Elements zu seiner Show kamen. Obwohl Carpenter mit seinem Auftritt gegen Aphex Twin und Run the Jewels konkurrierte, die zur gleichen Zeit spielten, zog er ein riesiges Publikum an. Letzten Juni trat er mit der gleichen Show bei dem Primavera Sound Festival in Spanien auf, das jeden Sommer ungefähr 100.000 Besucher nach Barcelona lockt. Carpenter selbst war nicht der Umfang dieses Events bewusst, bis er auf der Bühne stand.
 
„Primavera war unglaublich“, erzählt Carpenter, der sich in letzter Zeit damit beschäftigt, Nazis das Handwerk zu legen. „Ich blickte auf die tausenden Menschen [vor der Bühne] und dachte: ‚Oh mein Gott, was habe ich nur getan?’ Ich habe zum ersten Mal auf einem derartigen Festival gespielt, und es war atemberaubend. Ich bin mittlerweile ein alter Mann, und ich darf auf diese Bühne hinausgehen und meine Musik spielen. Ich habe jede Sekunde geliebt.“
 
Der Appetit der Zuschauer auf live performte Filmmusik ist erst in den letzten Jahren gewachsen. John Williams hält seit vielen Jahren Auftritte in der Hollywood Bowl in Los Angeles ab, bei denen er seine Werke aus Der weiße Hai, Star Wars und anderen Filmen spielt. Sogar Skrillex sah den Trend voraus und ließ bei vielen seiner Festival-Auftritte „The Circle of Life“ einfließen. Und es sind nicht nur die Filme, die dadurch Beachtung finden. Sowie das Fernsehen durch seine Netflix-Ära eine Renaissance genießt, erleben auch Soundtracks und die Begleitmusik einen Aufschwung. Es wird immer üblicher, diese beiden Medien für eine Live-Erfahrung miteinander zu verknüpfen. Das Festival of Disruption von David Lynch neulich in Los Angeles präsentierte die Musik von Twin Peaks live, während das Sundance NextFest als Geheimtipp geltende Filme mit Auftritten von aufsteigenden Musikern kombiniert. Kyle Dixon und Michael Stein — die Komponisten von Stranger Things und Mitglieder der Band S U R V I V E — haben eine Reihe von Buchungen in der kommenden Festival-Runde ergattert, darunter auch von Coachella, und haben bereits letztes Jahr die Filmmusik der Serie auf einem Festival in Krakau performt.
 
„Wenn es den Zuschauern gefällt, und die Veranstalter und Agenten sie weiterhin ins Lineup aufnehmen, warum nicht? Die Leute verdienen damit eine gute Stange Geld!“, sagt Carpenter, obwohl er einräumt, dass sich nicht jeder Komponist für einen Festival-Auftritt eignet.
 
„Es hängt davon ab, wer es ist, welche Filme sie gemacht haben und ob das Publikum damit etwas anfangen kann“, fährt er fort. „Ich glaube, Hans Zimmer ist eine hervorragende Wahl für Coachella. Er wird sehr gut ankommen, weil das Publikum viele seiner Melodien wiedererkennen wird.“
 
Bei Künstlern wie Zimmer haben Festival-Produzenten möglicherweise höhere Investitionen  – Proben, Aufstellung und Ausrüstung für Orchester und Ensembles benötigen mehr Zeit, Geld und Personal, als Gitarren einzustöpseln oder ein DJ-Mischpult auf die Bühne zu schieben. Aber klassische Musik in einem ungewöhnlichen Rahmen zu präsentieren, bringt den Veranstaltern eine hohe Rendite ein, weil sie damit eine einzigartige Erfahrung erschaffen. (Es werden gerade Wetten abgeschlossen, wer die Gastsänger bei Zimmers Auftritt sein werden.) Die Buchung dieser Meister bringt Fans zudem mit einer Art von musikalischer Kunstfertigkeit in Berührung, wie man sie nicht immer in den Tiefen des Sahara-Zelts von Coachella erlebt.
 
„Ein Großteil der Festivalmusik [stammt von Musikern], die mit drei oder vier Farben malen“, sagt Afra. „Hans Zimmer malt mit tausenden. Er hat sein Leben damit verbracht, im Komponieren eine unübertroffene Raffinesse zu entwickeln. Kunstformen benötigen Einfachheit und sie benötigen Kunstfertigkeit, dazwischen schwingt das Pendel hin und her. Ich glaube, im Moment ist das Pendel an der Stelle angelangt, wo wir diese virtuosen Musiker brauchen, die wie Aliens wirken, wenn man sie bei ihrer Performance sieht, und man sich fragt: ‚Wie macht er das bloß?’“
 
Für die Komponisten selbst liegt der Reiz nicht nur in dem riesigen Publikum oder in dem dicken Scheck, sondern in der Gelegenheit, sich wie ein waschechter Rockstar zu fühlen.
 
„Komponisten werden meistens nicht als cool oder buchungswert erachtet“, sagt Carpenter, „von daher ist das alles phänomenal.“
 

Produzent Chris Craker spricht über seine Arbeit an „Hans Zimmer — The Classics“

Wie so viele von uns kam Chris Craker erstmals durch Filme mit Hans Zimmers Musik in Berührung. Nachdem Craker in die Filmmusikbranche einstieg und als Leiter der Abteilungen von Sony BMGs Masterworks in London und New York tätig war, wurde er Teil von Zimmers Welt. Ihre beruflichen Wege kreuzten sich schließlich, als sie beide an Zimmers Soundtrack zu dem Film Interstellar von Christopher Nolan im Jahr 2014 arbeiteten. Seitdem hat das Duo an mehreren Soundtracks zusammengearbeitet. Craker fungierte zudem als Executive Producer bei Interstellar Live in der Royal Albert Hall in London, bei dessen Vorführung ein Orchester und andere Musiker die Filmmusik einspielten. Er bezeichnet diese Vorstellung aus dem Jahr 2015 als eins der Highlights seiner Karriere.
 
Daher war Craker der ideale Kandidat, um das vor Kurzem veröffentlichte Album The Classics zu leiten, das neue Interpretationen von zwölf der bekanntesten Werke Zimmers enthält. Das von Sony Classical vertriebene Album präsentiert eine abwechslungsreiche Kollektion von handverlesenen Künstlern sowohl aus der Welt des Pops als auch aus dem Reich der Klassik.
 
Hier erörtert Craker den Prozess, der dieses Projekt zum Leben erweckte.
 
Bei The Classics wirkten sehr unterschiedliche Musikerinnen und Musiker mit — vom chinesischen Konzertpianisten Lang Lang über die britische Sängerin Leona Lewis bis hin zur amerikanischen Elektroviolinistin Lindsay Stirling. Wie haben Sie die Musiker ausgewählt und dem jeweiligen Zimmer-Titel zugeordnet?
 
CC: Wir haben uns jeden der ausgewählten Titel genau angesehen und angehört und dann überlegt, wer sowohl die „Essenz“ eines jeden Songs herausholen und zugleich etwas Neues einbringen kann. Leona Lewis mit „Now We Are Free“ zu kombinieren, führte anscheinend zu einem wunderbaren Ergebnis. Sie fügt einem der unvergesslichsten Titel der letzten dreißig Jahre eine gefühlvolle Sensibilität des Pops hinzu und haucht ihm neues Leben ein. Lang Langs Interpretation von einigen Melodien aus dem Film Gladiator in einem solo am Klavier gespielten Nocturne, dem quasi etwas Chopin-/Rachmaninov-artiges anhaftet, ist eines der schönsten Dinge, die ich seit langer Zeit gehört habe! Wir hatten großen Spaß dabei, die Künstler auszuwählen und sie mit dieser fantastischen Musik zusammenzubringen.
 
Lindsay Stirling/The Dark Knight
 
Zimmer hat mehr als 120 Filme mit Musik unterlegt, es stehen so viele Kompositionen zur Auswahl. Wie haben Sie die Titel auf jene eingegrenzt, die auf dem Album zu hören sind? War es beabsichtigt, eine Auswahl zu treffen, die seine Karriere umspannt?
 
CC: Ja, wir suchten die Titel aus einem unglaublich breit gefächerten und vielgestaltigen Katalog aus. Einige waren aufgrund ihrer Beliebtheit und Berühmtheit schlichtweg „Must-haves“, andere wiederum nahmen wir auf, weil sie zu diesem leicht abgewandelten „klassischen“ Medium passten, mit dem wir letztlich aufwarteten. Till Brönners „Crimson Tide“ ist das perfekte Beispiel. Dass diese außergewöhnliche Melodie als klassisch/jazzige, symphonische Form zum Leben erweckt wurde, entstand sowohl aus der Inspiration des Künstlers als auch des Arrangeurs.
 
Wie lief der Aufnahmeprozess für die einzelnen Titel ab? Sie besitzen ein bemerkenswertes Aufnahmestudio in Thailand. Wurde einer der Titel dort aufgenommen? Wie lange hat das Projekt bis zu seiner Vollendung gedauert?
 
CC: Mir standen zwei äußerst talentierte Arrangeure zur Verfügung: Gavin Greenaway und John Ashton Thomas — beides Veteranen in Hollywood. In Anlehnung an ihre Arrangements brachen wir nach Prag auf, um das Orchester der Tschechischen Philharmonie aufzunehmen. Dies war ein gestandenes Symphonieorchester und kein zusammengestelltes Ensemble für eine Filmsession, da wir mit einer Gruppe von Orchestermusikern zusammenarbeiten wollten, die eine lange Tradition besaßen, ein starkes Gespür für das Spielen in einem Ensemble hatten und deren Saiten- und Blechbläserklänge zu der Musik passten.
 
Zudem war es örtlich günstig gelegen, sodass einige Solisten zu uns stoßen konnten, um mit uns „live“ aufzunehmen. Nachträglich habe ich in London, Los Angeles, New York, Berlin, München und Lyon all jene hinzugemischt, denen es nicht möglich war zu kommen. Anschließend habe ich in meinem eigenen Studiokomplex „Karma Sound Studios“ in Thailand intensiv an der Nachbearbeitung gearbeitet, wo wir noch ein oder zwei wunderschöne, kleine Ergänzungen hinzufügten. Dort mischten wir auch die Stücke ab. In den wunderbaren Air Studios in London erhielten sie dann den letzten Schliff, und die Remixes wurden angefertigt.
 
Inwiefern war Zimmer an der Entstehung des Albums beteiligt und wie war seine Reaktion, als er das Endprodukt hörte?
 
CC: Hans war begeistert von dem Konzept, als wir damit an ihn herantraten. Er fand die Idee großartig, dass diese fantastischen Musikerinnen und Musiker seine besten Stücke neu interpretierten. Besonders angetan war er von dem gewagten und ein wenig exzentrischen Gladiator-Klavierstück, das für Khatia Buniatishvili arrangiert war! Er bat darum, dass Gavin Greenaway als Co-Arrangeur und Dirigent das Orchester leitet, da er und Gavin bereits seit Jahrzehnten zusammenarbeiten!
 
Auf den letzten Metern kam Hans dazu, um sicherzustellen, dass die Mixe nach seinem Geschmack waren. Wie Sie wissen, hat Zimmer einen klassischen Sound, der in ein fantastisches Gesamtwerk mit dem Titel „Hans Zimmer — The Classics“ eingearbeitet werden musste. Für mich war es eine Ehre, an dem Album zu arbeiten, und ich hoffe, die Fans lieben es!

Sehen Sie den Trailer zu Score: A Film Music Documentary

Normalerweise arbeiten Filmkomponisten hinter den Kulissen, um dafür zu sorgen, dass die Zuschauer durch ihre Musik in Verbindung mit den Bildern auf der Leinwand die entsprechenden Reaktionen aus Freude, Angst und Liebe verspüren. Doch der in Kürze erscheinende Film Score: A Film Music Documentary rückt nun die Komponisten ins Rampenlicht, und Legenden wie John Williams, Danny Elfman, Hans Zimmer, Randy Newman, Junkie XL und Patrick Doyle diskutieren über die komplexe Aufgabe, Musik für Filme zu arrangieren.
 
Score hat die Entwicklung von den ersten Noten bis zu jenem Moment verfolgt, wenn sich der Vorhang bei der Premiere öffnet. Dabei konzentriert sich der Film auf die Herausforderungen, die der Kompositionsprozess birgt, und dokumentiert, wie sich die Komposition von Filmmusik seit den Tagen des Stummfilms verändert hat. Neben dutzenden Komponisten zeigt die Dokumentation auch Interviews mit Agenten, Historikern, Wissenschaftlern, Musikmanagern, Kritikern und Regisseuren wie beispielsweise James Cameron. Dabei legt sie besonderes Augenmerk auf Filmmusik, die als Kult gilt, darunter die von James Bond, Titanic, E. T. — Der Außerirdische und Pirates of the Caribbean, während die für die Musik Verantwortlichen darüber diskutieren, warum und inwiefern diese Werke einen derart starken kulturellen Einfluss ausgeübt haben.
 
„Wir wollten etwas ins Leben rufen, das es vorher noch nicht gab — nämlich den maßgeblichen Blick auf die Kunst der Komposition von Filmmusik“, erzählte Matt Schrader, der Regisseur des Films, dem Online-Portal Indiewire. Der Regisseur gab seinen Job bei CBS News auf, um nahezu zwei Jahre lang umfangreiche Interviews mit mehr als 50 Komponisten zu führen, die zudem dieses Frühjahr in einem Begleitbuch zum Film erscheinen werden.
 
Score wurde zu einem großen Teil über eine Crowd-Funding-Kampagne im Internet finanziert, die mehr als 90.000 $ für dieses Projekt zusammentrug. Die Dokumentation war auf mehreren internationalen Filmfestivals zu sehen und wurde kürzlich von Gravitas Ventures für die Veröffentlichung in Nordamerika erworben. Dort wird Score ab Mai dieses Jahres in den Kinos zu sehen sein, gefolgt von einem internationalen Filmstart. Sehen Sie sich untenstehend den Trailer an.
 
https://www.youtube.com/watch?v=Bre2ut0gv4

Hans Zimmer zeigt sich als Überraschungsauftritt im Lineup von Coachella 2017

Als Musikliebhaber nach der Winterpause an ihren Arbeitsplatz zurückkehrten, fanden sie morgens in ihren Posteingängen ein verspätetes Weihnachtsgeschenk vor. Das Lineup für das diesjährige Coachella — das unvergleichliche Musikfestival Südkaliforniens, das zu den berühmtesten und renommiertesten der Vereinigten Staaten zählt — wurde am Dienstag, den 3. Januar veröffentlicht. Während die Headliner Radiohead, Beyoncé und Kendrick Lamar überwiegend positive Resonanz auslösten, enthielten die unteren Zeilen der Bekanntmachung ein ganz besonderes Bonbon für Filmfans, wo erstmalig der Name Hans Zimmer im Lineup zu lesen war.
 
Der deutsche Komponist und Produzent ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Filmkomponisten aller Zeiten und hat an Filmmusiken und Soundtracks für mehr als 150 Filme gewirkt, unter anderem an Gladiator, Inception, The Dark Knight, Pirates of the Caribbean und 12 Years a Slave. Er wurde für neun Oscars nominiert und gewann den Preis im Jahr 1995 für seine Arbeit an dem beliebten Soundtrack Der König der Löwen in der Kategorie „Beste Filmmusik“.
 
Das mittlerweile ins 18. Jahr gehende Coachella präsentiert zig der angesagtesten und legendärsten Acts aus Rock, Pop, Rap und Dance Music, und der Auftritt von Hans Zimmer stellt eine namhafte Erweiterung des Standardangebots von dem Festival dar. Organisatoren versuchen, dem Publikum neue Sounds und Erfahrungen zu bieten, und durch dieses orchestrale Engagement wird der Trend verstärkt, dass legendäre Komponisten in den Lineups von Mainstream-Festivals zu finden sind. Darunter sind auch John Carpenter und Philipp Glass zu nennen, die ebenfalls in den letzten beiden Jahren bei Festivals in den Vereinigten Staaten aufgetreten sind.
 
Hans Zimmer ist für einen Slot am Sonntag auf dem Coachella-Festival vorgesehen, das vom 14. bis 16. April und erneut vom 20. bis 23. April in der Wüste von Indio, Kalifornien (ungefähr zwei Stunden östlich von Los Angeles) stattfindet. Das weltweit umsatzstärkste Musikfestival zog im Jahr 2016 an seinem ersten Wochenende circa 100.000 Besucher an und spielte laut Billboard mit dem Ticketverkauf für beide Wochenenden zusammen atemberaubende 84.264.264 $ ein. Der Vorverkauf für das diesjährige Event hat begonnen, aber die Tickets sind bereits vergriffen. Das vollständige Lineup sehen Sie unten.
 
Einzelheiten zu Zimmers Auftritt sind noch nicht bekannt, aber viele gehen davon aus, dass er mit einem vollständigen Orchester und einer begleitenden Lichtshow die Highlights seiner Karriere spielen wird — so wie auf seiner aktuellen Solo-Tour, deren US-Etappe mit Terminen in Los Angeles, San Francisco und an den beiden Coachella-Wochenenden zu Ende geht. Das Festival ist bereits ausverkauft, aber Fans können sich auf weitere Shows freuen! Im Mai startet Zimmer seine 22 Termine umfassende Europa-Tour mit Konzerten in Skandinavien, Deutschland, Österreich und der Schweiz, die von Semmel Concerts, dem Herausgeber meines Blogs, präsentiert wird. Diese Tournee umfasst auch Zimmers allererstes Konzert in einem Stadion, das am 9. Juni 2017 — drei Monate, bevor er seinen 60. Geburtstag feiert — mit rund 30.000 Fans in der Commerzbank-Arena seiner Heimatstadt Frankfurt stattfinden wird.
 
Mit neuen und langjährigen Zuhörern auf beiden Seiten des Atlantiks, die in Scharen auf Festivalgelände und in riesige Stadien strömen, um sein Werk zu hören, scheint 2017 ein herausragendes Jahr für den Kultkomponisten Hans Zimmer zu werden.
 
[Trailer zur Tournee von Hans Zimmer: https://www.youtube.com/watch?v=pPW_BDYygew]
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Harry Gregson-Williams kehrt mit dem Soundtrack von Live by Night auf die Kinoleinwand zurück

Das Werk des ehrwürdigen englischen Filmkomponisten Harry Gregson-Williams kehrt an Weihnachten mit Live by Night — einem Gangster-Drama zur Zeit der Prohibition, bei dem Ben Affleck Regie geführt hat und in der Hauptrolle zu sehen ist — auf die Kinoleinwand zurück. Der Film kommt in ausgewählten Städten am ersten Weihnachtsfeiertag und landesweit am 17. Januar 2017 in die amerikanischen Kinos (deutscher Filmstart am 2. Februar 2017).
 
Live by Night wurde unter anderem von Affleck und Leonardo DiCaprio produziert und erzählt die Geschichte von John Coughlin, dem Sohn eines Bostoner Polizeikommissars, der in den wilden 1920ern zu einem Rumschmuggler und Gangster avanciert. Dies ist Afflecks erster Exkurs in die Regie seit Argo im Jahr 2012, der 2013 als bester Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und ihm einen Golden Globe als bester Regisseur einbrachte. Live by Night basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane aus dem Jahr 2012 und ist unter anderem mit Sienna Miller, Elle Fanning, Zoe Saldana, Chris Cooper und R&B-Sänger Miguel besetzt. Sehen Sie sich untenstehend den Trailer an.
 
Der Film, den die Variety „als scharfsinnig geschrieben, aufwendig gefilmt, makellos gespielt und mit vielen unerwarteten Wendungen gespickt“ beschreibt, markiert einen weiteren Meilenstein in der langjährigen Berufsbeziehung zwischen Affleck und Gregson-Williams. Das Duo arbeitete erstmals bei Afflecks Regiedebüt Gone Baby Gone — Kein Kinderspiel im Jahr 2007 zusammen, für das Gregson-Williams die Filmmusik komponierte. Auf dieses Projekt folgte Afflecks Gangster-Drama The Town — Stadt ohne Gnade im Jahr 2010, und im Anschluss von Live by Night wird das Duo bei dem Film The Batman zusammenarbeiten, in dem Affleck die Titelrolle des Superhelden verkörpert.
 
Der in England geborene und vierfache Vater Gregson-Williams lebt und arbeitet seit 1995 in Los Angeles. Das Shrek-Franchise, Der Marsianer — Rettet Mark Watney und Die Chroniken von Narnia — Der König von Narnia zählen zu den größten Filmproduktionen, an denen er mitgewirkt hat. Er glaubt, dass er den Kickstart für seine Karriere in Hollywood seiner Zusammenarbeit mit dem legendären Komponisten Hans Zimmer an Soundtracks wie The Rock — Fels der Entscheidung, Armageddon — Das jüngste Gericht und Der Prinz von Ägypten zu verdanken hat. Darüber hinaus hat er auch mit anderen Regisseuren mehrfach zusammengearbeitet, darunter mit Joel Schumacher (Twelve, Number 23, Die Journalistin und Nicht auflegen!) sowie mit Tony Scott bei Unstoppable: Außer Kontrolle, Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3, Déjà Vu — Wettlauf gegen die Zeit, Domino, Mann unter Feuer, Spy Game — Der finale Countdown und Der Staatsfeind Nr. 1.
 
Gregson-Williams wird außerdem den mit Hochspannung erwarteten Film Alien: Covenant von Ridley Scott mit Filmmusik unterlegen. Die sechste Fortsetzung von Scotts kultigem Alien-Franchise wird im Mai 2017 von 20th Century Fox und Scott Free Productions veröffentlicht.
 
[Live By Night Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=CtFZcAuH-qI
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Die Nominierungen für den Grammy 2017 ehren die Musik der Filme

Die Saison des größten Musikpreises von Los Angeles hat offiziell begonnen. Am Dienstag, den 6. Dezember ist ein Gros der Musikbranche früh aufgestanden, um zu erfahren, welche Musiker und Projekte für die Grammy Awards — die renommierteste musikalische Auszeichnung der Vereinigten Staaten — nominiert wurden.
 
Wie üblich wurden auch zahlreiche Komponisten von Soundtracks und Filmmusiken in mehreren Kategorien vorgeschlagen. Zu den Nominierten zählen auch die Legenden Ennio Morricone und John Williams, die bisher zusammengenommen für 71 Grammys nominiert wurden und den Preis 27 Mal für Filmklassiker wie Die Unbestechlichen, Zwei glorreiche Halunken, Der weiße Hai, Star Wars und Schindlers Liste gewonnen haben.
 
Die bedeutendsten Kategorien des Grammy werden von einer Riege der größten US-amerikanischen Musikerinnen und Musiker angeführt. Beyoncé erhielt dieses Jahr die meisten Nominierungen, womit ihr in neun Kategorien für ihr Hitalbum Lemonade sowie den dazugehörigen Film Anerkennung gezollt wird. Die Mega-Musikstars Drake, Adele und Kanye West teilen sich mit jeweils acht Nominierungen den zweiten Platz.
 
Die 59. Grammy Awards finden am 12. Februar 2017 in Los Angeles statt. Sehen Sie im Folgenden eine vollständige Auflistung der filmbezogenen Nominierungen.
 
Nominierungen in der Kategorie „Best Compilation Soundtrack for Visual Media“:
 
[Amy: https://www.youtube.com/watch?v=HKW0kiIJJwU]
 
Amy von Various Artists
Miles Ahead von Miles Davis & Various Artists
Straight Outta Compton von Various Artists
Suicide Squad (Collector's Edition) von Various Artists
Vinyl: The Essentials Season 1 von Various Artists
 
Nominierungen in der Kategorie „Best Score Soundtrack for Visual Media”:
 
[Star Wars: The Force Awakens : https://www.youtube.com/watch?v=yRraDaUP1ug]
 
Bridge of Spies von Thomas Newman, Komponist
Quentin Tarantino's The Hateful Eight von Ennio Morricone, Komponist
The Revenant von Alva Noto & Ryuichi Sakamoto, Komponisten
Star Wars: The Force Awakens von John Williams, Komponist
Stranger Things Volume 1 von Kyle Dixon & Michael Stein, Komponisten
Stranger Things Volume 2 von Kyle Dixon & Michael Stein, Komponisten
 
Nominierungen in der Kategorie „Best Instrumental Composition“:
 
[L'Ultima Diligenza Di Red Rock : https://www.youtube.com/watch?v=g5wnW_H9hXg]
 
Bridge of Spies (End Title) von Thomas Newman, Komponist (Thomas Newman)
The Expansive Train Set (An Epic Sarahnade for Double Big Band) von Tim Davies, Komponist (Tim Davies Big Band)
Flow von Alan Ferber, Komponist (Alan Ferber Nonet)
L'Ultima Diligenza Di Red Rock – Versione Integrale von Ennio Morricone, Komponist (Ennio Morricone)
Spoken at Midnight von Ted Nash, Komponist (Ted Nash Big Band)
 
Nominierungen in der Kategorie „Best Song Written for Visual Media“:
 
[The Veil: https://www.youtube.com/watch?v=nqFKjz4l9u0]
 
„Can't Stop the Feeling!“ aus dem Film Trolls
„Heathens“ aus dem Film Suicide Squad
„Just Like Fire“ aus dem Film Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln
„Purple Lamborghini” aus dem Film Suicide Squad
„Try Everything“ aus dem Film Zoomania
„The Veil” aus dem Film Snowden
 
Nominierungen in der Kategorie „Best Music Film“
 
[The Music of Strangers by Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble : https://www.youtube.com/watch?v=BWYo388T1XU]
 
I'll Sleep When I'm Dead von Steve Aoki
The Beatles: Eight Days a Week The Touring Years von The Beatles
Lemonade von Beyoncé
The Music of Strangers von Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble
American Saturday Night: Live from the Grand Old Opry von Various Artists
 
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Junkie XL reflektiert über seine Karriere als Komponist für Filmmusik

Als Junkie XL hat Tom Holkenborg seit den späten 90ern für tausende Menschen auf der Welt elektronische Musik produziert und auf der Bühne präsentiert. Nachdem er diesen weltweiten Erfolg erreicht hatte, fing er noch einmal ganz von vorn an.

Er zog von den Niederlanden nach Los Angeles, um sich eine Karriere in der Komposition von Filmmusik aufzubauen. Holkenborg hat es hier geschafft, und zwar mit durchschlagendem Erfolg.

Fünfzehn Jahre nach seiner Ankunft in Hollywood hat er die Musik für bedeutende Filme geschrieben, unter anderem für 300: Rise of An Empire, Mad Max: Fury Road, Deadpool, Batman v Superman: Dawn of Justice und für die in Kürze erscheinenden Filme Der dunkle Turm und Justice League.
 
Hier reflektiert Holkenborg mit uns über seine zweite Karriere als Komponist für Filmmusik.
 
Sie hatten bereits eine äußerst erfolgreiche Karriere, bevor Sie sich der Komposition von Filmmusik zuwandten. Was hat Sie zu dieser beruflichen Veränderung inspiriert?
Seit den 90er-Jahren hörte ich immer wieder, dass Musik, wie ich sie machte, für Filme lizenziert wurde, und ich sah, was Musik bei Filmen bewirkte. Das faszinierte mich. Im Jahr 2002 zog ich nach L. A., um eine Laufbahn als Komponist einzuschlagen, und musste wirklich wieder bei null anfangen.
 
Wie haben Sie den Einstieg geschafft, nachdem Sie hierhergekommen sind?
Der Trick ist, sich ein Praktikum bei einem der erfolgreichen Komponisten zu suchen und ihnen bei ihrer Filmmusik unter die Arme zu greifen. In der Hoffnung, dass man sich irgendwann ein Netzwerk aufgebaut hat, das groß genug ist, sodass die Leute einem die Chance geben, etwas auszuprobieren.
 
Was ist der größte Unterschied zwischen Ihren beiden Karrieren?
Als Produzent arbeitete ich wirklich im Scheinwerferlicht der Musik, und jetzt ist es etwas anonymer. Ich mag es, hinter den Kulissen mit den Schauspielern zu arbeiten, die nun im Vordergrund stehen. Und dass ich durch das Medium Film in der Lage bin, so viele Menschen zu erreichen, wie ich es als Musiker niemals könnte.
 
Hat es in einem der von Ihnen unterlegten Filme eine Szene gegeben, die Sie als besonders originell oder bewegend empfanden?
Ich versuche eigentlich bei all meinen Filmmusiken, letztlich mit etwas aufzuwarten, das in vielerlei Hinsicht jenseits des Erwarteten liegt. Sehr stolz bin ich auf den Film Die Bestimmung — Divergent, für den ich ein Motiv auf einer E-Gitarre geschrieben habe, das Ellie Goulding mit ihrem Gesang unterlegt hat. Es passt so gut zusammen; wir haben damit zweifellos einen Nerv bei all den junge Leuten getroffen, die sich den Film angesehen haben. Diese Musik würde man nicht von einer dystopischen Zukunftswelt erwarten, in der sich eine junge Frau zu einer Kämpferin wandelt, und auch nicht, dass ihr Motiv in Wirklichkeit von einer E-Gitarre gespielt und von Ellie Goulding gesanglich begleitet wird. Dadurch, dass wir das gemacht haben, wurde der Charakter wesentlich menschlicher, nachvollziehbarer, und man konnte sich besser mit ihm identifizieren.
 
https://www.youtube.com/watch?v=miss21Qm4bI
 
Wer waren Ihre Mentoren, als Sie in das Geschäft einstiegen?
Mein erster Mentor war Harry Gregson-Williams. Er war der Erste, der mich eingestellt hat, und ich habe unglaublich viel von ihm gelernt. Danach arbeitete ich zweieinhalb Jahre mit Hans Zimmer, der eine lebende Legende ist. Er hat mir wirklich vieles beigebracht. Danach wurde es Zeit für mich, meine eigenen Wege zu beschreiten.
 
Haben Sie etwas von Hans Zimmer gelernt, mit dem Sie nicht gerechnet haben?
Ich musste nicht mehr lernen, wie man ein Musikstück schreibt oder wie man ihm Einzigartigkeit verleiht, sondern das hatte ich bereits als Musiker herausgefunden. Aber was ich von ihm gelernt habe, sind die politischen Dinge, wenn man geschäftlich mit Filmstudios und Regisseuren zu tun hat. Hans ist sehr gut darin, die Schwächen von anderen zu erkennen und sicherzustellen, dass man zusammenarbeitet.
 
Glauben Sie, dass sich das Wesen der Filmmusik weiterentwickelt hat?
Ja, heutzutage — zumindest bei den Filmen, an denen ich gearbeitet habe — ist man während des gesamten Films stärker mit dem Regisseur am Prozess beteiligt, was sehr interessant ist. In der Vergangenheit dagegen, beispielsweise vor 60 Jahren, war man als Filmkomponist nur ein Teil der Gehaltsliste und nahm einfach Musik auf, die dann für den Film verwendet wurde. Erst durch Begebenheiten wie beispielsweise die Beziehung zwischen Alfred Hitchcock und Bernard Herrmann entwickelten sich die grundlegenden Regeln zwischen einem Komponisten und einem Regisseur, wie wir sie heutzutage gewöhnt sind.
 
Was sind Ihre Lieblingsfilmmusiken aller Zeiten?
Das ist tagesabhängig, aber einige wie Es war einmal in Amerika von Ennio Morricone und Blade Runner von Vangelis kehren immer wieder.
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Das Los Angeles Philharmonic zelebriert die Musik von Filmen mit einem dreiteiligen Kino-Event

Am Donnerstag, den 17. November wird das Los Angeles Philharmonic Geschichte schreiben, indem es die Musik aus dem Kultfilm … denn sie wissen nicht, was sie tun aus dem Jahr 1955 zu einer Kinovorstellung einspielt. Scott Dunn von den LA Phils wird diese Weltpremiere dirigieren, denn nie zuvor wurde dieser Film live von einem Orchester begleitet. Dieses Event wird in der Walt Disney Concert Hall in Downtown Los Angeles zu sehen sein.
 
… denn sie wissen nicht, was sie tun gilt als Klassiker des amerikanischen Films und zeigt James Dean, Natalie Wood und Sal Mineo in den Hauptrollen, die gemeinsam mit einer imposanten Schauspielerbesetzung die Geschichte über das Erwachsenwerden eines emotional gestörten Jugendlichen aus der Mittelklasse in den repressiven 1950er erzählen. Der Film war für drei Oscars nominiert und erschien einen Monat nach Deans Tod, der im Alter von 24 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam.
 
Der Soundtrack wurde von Leonard Rosenman komponiert, einem amerikanischen Film-, Fernseh- und Konzertkomponisten, der sowohl mit dem Oscar als auch mit dem Emmy ausgezeichnet wurde und an über 130 Werken mitwirkte. Die Filmmusik für … denn sie wissen nicht, was sie tun zählte zu seinen frühesten Projekten. Seine Arbeit daran kam über James Dean zustande, der sein Mitbewohner war. (Rosenman hatte Dean dem Kultregisseur Elia Kazan vorgestellt, der bei dessen erstem Film Jenseits von Eden Regie führte. Auch für dieses Werk hatte Rosenman die Musik komponiert, der nur wenige Monate vor … denn sie wissen nicht, was sie tun in die Kinos kam.)
 
Rosenmans opulent geschriebene Musik für … denn sie wissen nicht, was sie tun war ein revolutionärer Moment in der Geschichte der Filmmusik. Er definierte ihre Grenzen neu, indem er die damals in der Filmmusik vorherrschenden Kompositionen des 19. Jahrhunderts mied und stattdessen Jazz und serielle Musik zusammen mit Werken des ungarischen Komponisten Béla Bartók und der russischen Ikone Igor Stravinsky einfließen ließ. Diese ungewöhnliche Stilmischung trug zur Erschaffung eines neuen Modells für Filmmusik bei und katapultierte das Medium in die Moderne. Sehen Sie unten ein Video von Dunn, wie er bei einer Aufführung im Jahr 2009 das Leitthema des Films dirigierte.
 
Dieses besondere Ereignis bildet den Auftakt zu einem Wochenende der Musik und der klassischen Filme in der Walt Disney Concert Hall. Am 18. November wird das LA Phil die Filmmusik zum Klassiker Die Faust im Nacken mit Marlon Brando spielen. Abgeschlossen wird diese dreiteilige Serie am 20. November von der Vorführung des unvergänglichen Klassikers Casablanca, die das Orchester live begleiten wird.
 
[https://www.youtube.com/watch?v=Z-7mnohJJog]
 
Fotocredit: Laphil Rebel

Die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles feiert Halloween mit einer Vorführung des Horrorklassikers „Das Cabinet des Dr. Caligari“

Hier in Los Angeles verfärben sich die Blätter der Palmen zwar nur selten, aber die längeren Nächte und die kühleren Temperaturen weisen darauf hin, dass der Herbst offiziell in Südkalifornien Einzug gehalten hat. Mit dem Herbst steht auch Halloween vor der Tür, und die ikonische Walt Disney Concert Hall feiert die Geistersaison mit einer Vorführung des Horrorklassikers Das Cabinet des Dr. Caligari aus dem Jahr 1920. Das Event wird am Abend von Halloween — am 31. Oktober — stattfinden, und der renommierte Organist Clark Wilson wird den Stummfilm mit einer live gespielten Filmmusik begleiten.
 
Der Film Das Cabinet von Dr. Caligari zählt zu den frühesten Beispielen des deutschen Expressionismus und erzählt eine Geschichte über Mord, Manipulation und Wahnsinn. Der berühmte, von Robert Wiene Regie geführte Psychothriller handelt von einem Somnambulen namens Cesare (gespielt von einem jungen Conrad Veidt, der später den bösen Nazi-Major in Casablanca verkörperte), der die Zukunft voraussagen kann und in der Obhut des geistesgestörten Dr. Caligari steht. Als Cesare in dem Film einen Mord prophezeit, der sich am nächsten Morgen bewahrheitet hat, führt es die Polizei auf die Spur von Dr. Caligari und seinem Schützling. Wie nicht anders zu erwarten, mündet dies in einem Chaos.
 
Das Cabinet von Dr. Caligari ist berühmt für seinen radikal verzerrten Stil, bei dem die Kulissen von unnatürlich spitzen Winkeln und sonderbaren Schatten beherrscht werden. Der Film wurde ohne jegliche Außenaufnahmen vollständig in einem Studio gedreht, was für Filme dieser Ära ungewöhnlich war. Der langjährige Filmkritiker Roger Ebert merkte an, dass Caligari einen „visuellen Stil beinhalte, bei dem nicht nur die Charaktere, sondern die Welt selbst aus den Fugen geraten sei“. Über den gewaltigen Einfluss dieses Werks sagte Ebert: „Ich kenne keinen anderen Film, der seine extremen Verzerrungen und skurrilen Winkel eingesetzt hätte, aber seine gesamte Sinnesart war zweifellos der Wegbereiter für Der Golem, wie er in die Welt kam; Nosferatu — Eine Symphonie des Grauens; Metropolis und M.“
 
In den nahezu hundert Jahren seit seiner Veröffentlichung wurden für Caligari viele Filmmusiken komponiert. Bei diesem Halloween-Event wird Clark Wilson  — einer der prominentesten und erfolgreichsten Orchestrierer von Filmmusik für Stummfilme in den Vereinigten Staaten — das Werk live begleiten. Als renommierter Orgeltechniker und Fachberater arbeitet Wilson ausschließlich mit der Orgel, um eine originalgetreue und historische Musikbegleitungen entstehen zu lassen, wie sie in den großen Filmpalästen zur Glanzzeit des Stummfilms gespielt wurde. Dieses Event markiert sein dreizehntes Jahr in Folge, in dem er in der Walt Disney Concert Hall auftritt.
 
Die Walt Disney Concert Hall wurde von dem weltberühmten Architekten Frank Gehry entworfen und gilt dreizehn Jahre nach ihrer Eröffnung als eines der charakteristischsten Bauwerke von Los Angeles. Das futuristische, silberne Gebäude beherbergt das Los Angeles Philharmonic Orchestra. Die gemeinsam von Gehry und den Meistern des Orgelbaus Manuel Rosales und Caspar von Glatter-Gotz konzipierte Orgel ist berühmt für ihr ungewöhnliches, kunstvolles Design und gilt als eine der besten Konzertorgeln der Welt.
 
Dieser Nerven kitzelnde Film wird gemeinsam mit diesem tongewaltigen Instrument eine sagenhafte — und absolut gruselige — Erfahrung für die Kinogänger an Halloween in Los Angeles bereithalten.
 
[Trailer zu Das Cabinet von Dr. Caligari: https://www.youtube.com/watch?v=Y0A0sfxM6AE]
 
Karten für den Film sind unter seinem englischen Titel „The Cabinet of Dr. Caligari“ ab sofort auf LAPhil.com sowie in der Vorverkaufsstelle von der Walt Disney Concert Hall erhältlich.
 
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Elektronik-Produzent Boys Noize startet direkt nach seiner Mitwirkung am Soundtrack von Snowden seine US-Tour in Los Angeles

Letzten Mittwochabend startete der renommierte deutsche Techno-Produzent Boys Noize seine Nordamerika-Tour mit einem Live-Set in Downtown Los Angeles. Der Musiker wird zwar seit mehr als einem Jahrzehnt von der Welt der elektronischen Musik verehrt, löste aber vor Kurzem eine neue Form der Begeisterung aus, als er mit dem Kultregisseur Oliver Stone an dem Soundtrack für dessen neuesten Film Snowden zusammenarbeitete. Der am 16. September erschienene Film erzählt die Geschichte des umstrittenen NSA-Whistleblowers Edward Snowden und erhielt überwiegend positive Kritiken, darunter bezeichnete die New York Times ihn „einen ehrenhaften und fesselnden Beitrag zur Fantasie anregenden Geschichte unserer verwirrenden Zeit“. Der Titelsong Mayday aus Boys Noizes viertem Studioalbum ist zugleich der Haupttitel des Soundtracks zum Film.
 
Mit Mayday greift Boys Noize die Themen Überwachung und Freiheit aus Snowden auf und komprimiert sie zu einem etwas länger als dreiminütigen, aggressiven Techno, der Gefühle von Panik, Paranoia und digitaler Omnipräsenz heraufbeschwört. Da sich der Film intensiv mit Motiven rund um die elektronische Kommunikation befasst, ist es plausibel, dass der Soundtrack größtenteils aus computergenerierter Musik besteht. Neben Boys Noize wirkten noch andere elektronische Musiker mit, unter anderem das berühmte Elektro-/Gitarrenduo Ratatat, Dog Blood (eine Kollaboration zwischen Boys Noize und Skrillex), die in London ansässige Elektronikformation Dusky und die Detroiter Legende Richie Hawtin alias Plastikman. Zur weiteren Auswahl gehören symphonische Kompositionen vom Emerson String Quartet und von Franz Joseph Haydn sowie ein Titel von Peter Gabriel. Zusätzlich hat Boys Noize vieles für den originalen Soundtrack von Snowden komponiert.
 
„Ich habe gestern Abend den Film gesehen, und es war verrückt“, erzählte Ridha der L. A. Weekly in einem Interview, das er letzte Woche im Vorfeld zu seinem Konzert gab. „Meine Klänge sowie meine Beiträge zum Titelsong und zum Soundtrack sind den ganzen Film hindurch zu hören.“
 
In Anlehnung an den Datenschutz und die Privatsphäre, die das Motiv des Films Snowden bilden, veröffentlichte Boys Noize sein Video zu Mayday auf dem berühmt-berüchtigten Onlineforum 4chan. Als eines der ersten Musikvideos seit 25 Jahren enthält es Material aus einem Film von Oliver Stone und bezieht beunruhigende Statistiken ein, unter anderem dass „der durchschnittliche US-Bürger 75 Mal pro Tag von Kameras erfasst wird“. Zudem zeigt es echtes Überwachungsmaterial, das über eine öffentliche Webseite von ungesicherten Überwachungskameras in Privathäusern, Geschäften, Büros und auf der Straße aufgenommen wurde. Sehen Sie sich unten das Video an.
 
Das Konzert fand im historischen Mayan Theatre in Los Angeles statt, und Boys Noize integrierte vieles aus dem Video von Mayday in sein visuelles Set, das auf einer einfachen LED-Wand hinter den Decks lief. Alex Ridha, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, betrat kurz nach 23:30 Uhr die Bühne und hielt das Publikum des brechend vollen Nachtklubs bis in die frühen Morgenstunden mit seinem schweren, antreibenden Techno in Bewegung, der ihn in den letzten 15 Jahren zu einem Liebling von Kritikern und Fans (sowie renommierten Filmregisseuren) gemacht hat. Boys Noize tourt noch bis Ende November durch die Vereinigten Staaten. Sehen Sie sich unten die Fotos von dem Konzert in Los Angeles an.
 
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Fotocredit: Shane Lopes